Global gedacht

Social Business selo - Teil 1

Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette – was heißt das konkret bei selo?

„Wir leben in einer Gesellschaft, die sich auf dem Weg der Externalisierung – auf Kosten und zu Lasten anderer – stabilisiert und reproduziert und die sich überhaupt nur auf diese Weise zu stabilisieren und zu reproduzieren vermag.“ 

Stephan Lessenich, Neben uns die Sinnflut (2016)


Dieses Zitat des Soziologen führt einem vor Augen, dass wir dringlichst anders wirtschaften müssen bzw. um dies tun zu können, uns unseres weltweiten Wirkens zunächst einmal bewusst sein müssen. Genau das versuchen wir bei selo, indem wir Verantwortung als unternehmerischer Akteur übernehmen. Was genau das bedeutet und wieso es für uns keine abgedroschene Phrase aus dem Bereich der Corporate Social Responsibility (CSR) ist, wird im Folgenden anhand konkreter Beispiele erläutert.


Die Worte Verantwortung und Transparenz tauchen in Zeiten von maximaler Globalisierung, starker Konsument_innen- Verwirrung und digitaler Vernetzung immer häufiger im Zusammenhang mit dem Wort Wertschöpfungskette auf. So wird von „Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ gesprochen, ohne dass klar ist, was damit eigentlich genau gemeint ist. Was macht uns von selo zu einem verantwortlich handelnden Unternehmen und was ist überhaupt eine Wertschöpfungskette?

Eine Wertschöpfungskette ist in der betriebswirtschaftlichen Definition zunächst einmal die Darstellung und Analyse der Aktivitäten eines Unternehmens, die zur Schaffung des Wertes – einer Dienstleistung oder eine Produktes – führen. Wenn es nun darum geht, unternehmerische Verantwortung entlang der Kette zu untersuchen bzw. wahrzunehmen, wird deutlich, dass das klassische Wertketten-Modell, begründet durch Micheal E. Porter, nicht ausreicht. Etwas zeitgemäßere Modelle der Wertschöpfungskettenanalyse beziehen den gesamten Lebenszyklus inkl. Entsorgung und/oder Wiederverwendung mit ein. (Wer an dieser Stelle ein wenig weiterlesen möchte, der kann sich hier und hier ein paar Grundlagen zum Thema aus betriebswirtschaftlicher Perspektive anlesen)

Wenn wir bei selo von Verantwortung entlang der Wertschöpfungskette sprechen, beziehen wir alle Interessenten und Betroffenen insbesondere auch die Umwelt mit ein. Wertschöpfung bemisst sich für uns an all unserem Wirken auf jeder Stufe unserer Aktivitäten und schließt immer Menschen und Planeten mit ein! 

Werden wir nun ein wenig konkreter, indem ich erläutere, wo selo wie Verantwortung übernimmt. Wir haben für uns hierfür erst einmal vier Ebenen identifiziert:

  • das Ursprungsland unsere grünen Kaffees Kolumbien 
  • die Ebene des Produktes bzw. der dahinterliegenden Prozesse
  • die der Konsument_innen 
  • und nicht zuletzt die Ebene der selo good beverages GmbH hier in Berlin

Ursprungsland Kolumbien

Im Ursprungsland Kolumbien setzen wir uns für eine faire Entlohnung unserer Partnerkooperative COOCAFE ein. Was wir hierfür tun, ist zunächst einen fairen Kilopreis für den importierten Kaffee zu zahlen - nämlich 3,99$/Pfund und das börsenunabhängig. Im Vergleich hierzu: der Börsenpreis liegt aktuell bei 1,23$ und der Mindestpreis von Fairtrade Kaffee aus Kolumbien bei 1,70$.

Wir sind fest davon überzeugt, dass wir gerechteren Handel durch mehr Wirtschaftlichkeit im Ursprungsland - und letztere wiederum durch bessere Qualität – vorantreiben können. Aus diesem Grund fließen von unserem Einkaufspreis 0,30$/Pfund Kaffee direkt als Spende in qualitätsfördernde Maßnahmen, für die sich die Kooperative selber gemeinsam mit dem Verantwortlichen Exporteur (Bindeglied zwischen Farmern und Röstern) ausgesprochen hat. Die Abnahme unseres Rohkaffees sowie die Finanzierung der Projekte erfolgt derzeit durch unsere Freunde und Partner Coffee Circle.

Neben der Verantwortung für den Menschen, sehen wir eine enorme Pflicht zum Handeln, was die Umwelt betrifft: Für uns sind ökologischer Landbau, Mischkulturen und schonende Bewässerung Standard – nur so gehen wir respektvoll mit unserem Planeten um. COOCAFE ist Bio-zertifiziert – was in unseren Augen jedoch nicht immer notwendiges oder gar hinreichendes Kriterium sein muss; betrachtet man die hohen Kosten für alleinstehende Produzenten und die in Teilen sehr niedrig angesetzten Kriterien für eine solche Bio-Zertifizierung. 

selo green coffee – Produkt und Prozesse

Unserem fertigen Produkt bei euch im Edeka oder denn’s nebenan gehen natürlich viele Schritte voraus und es sind viele Partner involviert. Für all diese Schritte und Partner gilt unser Wertekanon, der leider mal mehr und mal weniger leicht umzusetzen ist. Paradebeispiel eines nachhaltigen Prozesses und Partners ist unser Abfüllbetrieb und die Wasserquelle, an der selo hergestellt wird, die Auburg Quelle.

Die Konsument_innen

Für euch Leser_innen, die ja hoffentlich zu unseren Trinker_innen gehören, sehen wir unsere Verantwortung ganz klar sowohl in der Kompromisslosigkeit, was die Herstellung von gesunden Produkten für euch betrifft als auch in der Kommunikation über uns. Eine Verantwortung für gesunde Produkte versteht sich von selbst, könnte man meinen. Was die Kommunikation angeht, sehen wir uns stark in der Verantwortung, euch gegenüber transparent zu kommunizieren, was hinter den Kulissen passiert und zwar nicht nur bei selo sondern ganz generell in der intransparenten Lebensmittelbranche, im Kaffeehandel und im Bereich Sozialunternehmen. In diesem Sinne ist dies ein erster kleiner Einblick in eine verrückte Welt, die wir versuchen durch regelmäßige Beiträge ein wenig durchschaubarer zu machen. 

selo in Berlin

Hier in Berlin haben wir als Unternehmen selbstverständlich auch eine Verantwortung, der wir versuchen, so gut es geht, gerecht zu werden. Sowohl extern, was die Auswirkungen unseres Handels angeht, als auch intern, was die Verantwortung von uns selbst für uns selbst angeht. Um ersteres in punkto Fußabdruck so gering wie möglich zu halten, stecken wir in den letzten Zügen der Zertifizierung zum BCorp.

Die Verantwortung uns selbst gegenüber sehen wir darin, dass wir Rahmenbedingungen schaffen, in denen jede_r bestmöglich gemäß seiner/ihrer Präferenzen arbeiten kann, d.h. nicht nur flexible Arbeitszeiten und räumliche Abwechslung, sondern auch eine gewisse Flexibilität in seiner/ihrer Funktionalität. Mit anderen Worten: Wir agieren alles andere als starr und können uns somit immer wieder unseren eigenen Bedürfnissen und Umständen anpassen. Das verstehen wir als verantwortlichen Aufbau unseres Teams. 

Auch wenn man als Start-up die Chance hat, die Wertschöpfungskette von Grund auf nachhaltig zu gestalten, stoßen wir immer wieder auf Herausforderungen in Bezug auf unsere Wertschöpfungskette, wie oben bereits angedeutet. Im Teil zwei der Serie „Social Business selo“ möchte ich euch einen genaueren Einblick in diese Herausforderungen geben. Wer Fragen dazu hat, sendet die gerne an stella_at_selosoda.com.